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Wie digital sollte deine Gemeinde sein?

Wenn ich etwas zu meiner Umgebung suche, dann frage ich bei Google nach und komme dann auf irgendwelche Seiten. Der schlechtere Fall wäre noch, dass du gar nichts zu deiner Anfrage findest. Die Gemeinde hat unteranderem die festen Aufgaben (vom Bund erhalten), sich um die Kanalisation, Erhaltung der öffentlichen Wege oder auch um die öffentlichen Sport- und Freizeitanlagen zu kümmern. Wie sie dies erledigen, bleibt ihnen überlassen. Warum wird der Aufbau einer digitalen Infrastruktur nicht auch eine solche Aufgabe, die eine Gemeinde verpflichtend erfüllen muss.

Auf bestimmte Prozesse geht ich bewusst nicht ein - wie die Beantragung eines neuen Personalausweises. Solche Vorgänge sind noch etwas anderes als das, was ich gerne in diesem Artikel behandeln möchte. Mir geht es mehr um neue Möglichkeiten zu schaffen, Informationen bereitzustellen und die digitalen Kanäle für das Marketing zu nutzen. Bestimmte Informationen sollten schlichtweg online für alle zur Verfügung stehen. Der DIN A4 Zettel, der in die Briefkästen vor Ort gesteckt wird, reicht nicht mehr aus. Wir müssen da etwas globaler und über unser Dorf hinaus denken.

Nach meinen Vorstellungen gäbe es eine zentrale Plattform auf der alle Einwohner Informationen über ihre Gemeinde erhalten. Hierbei möchte ich nicht auf ein reines Pull-Prinzip (der Nutzer muss sich selbst Informationen abholen) setzen. Viel mehr auf die Interaktion zwischen Einwohner und Gemeinde (Entscheider). Die Beamten und Angestellten können gezielt Informationen an die Leute pushen, wenn es denn notwendig ist.

Beschwerden und Vorschläge einreichen

Eine Gemeinde mit ihren kleinen Ortschaften zeichnen sich durch feste Gemeinschaften aus. Dort zerfließt nicht alles so sehr wie in der Stadt. Umso verbundener sind die meisten Menschen mit ihrem Zuhause. Ihrer Heimat. Genauso stark können die Emotionen aufkommen, wenn andere Menschen in ihren Büroräumen wichtige Entscheidungen treffen, die den Bürger betreffen. Meistens hat dieser schon selbst, in Eigenleistung, viel für den Ort getan und fühlt sich hintergegangen. Selten werden die Leute in den Dörfern einbezogen. Niemand hört sich deren Probleme und Ideen an. Gute Ideen und Konzepte entstehen nicht allein, sondern im Dialog.

Lass uns die zentrale Plattform als Austausch zwischen der Gemeinde und den Einwohnern nutzen. Die Bewohner können Vorschläge und Beschwerden einreichen. Eventuell haben sie ein Schlagloch oder defekte Straßenlaterne gesichtet, die sie dort direkt melden können statt nur daran vorbeizugehen. Früher hast du dafür kurz telefoniert. Heute würdest du lieber kurz an deinem Handy ein paar Felder ausfüllen, nur um dieses Telefongespräch bewusst zu umgehen.

Guide

Menschen kommen. Menschen gehen. Nur was machen die Leute, die hier neu im Ort ankommen. Sie kennen die Regeln nicht oder fragen sich, an wen sie sich bei bestimmten Themen wenden können. Wir sind eine geschlossene Gemeinschaft. Wirklich schwer dort reinzukommen, wenn die anderen sich über Generationen hinweg kennen.

Lass uns doch ein paar Informationen über den Ort und das drumherum zusammenstellen. Welche Vereine gibt es hier? Wen kann ich ansprechen, wenn ich in den Sportverein eintreten möchte? Gibt es regelmäßige Treffen am Dorfgemeinschaftshaus?

Newsletter

Die Neuigkeiten aus deiner Umgebung erfährst du meistens von deinem Nachbar oder aus der Zeitung. Von der Gemeinde selbst hörst du sie selten, obwohl sie dich betrifft und es dir wichtig ist. Ein Brief schreibt dir ja auch keiner. Entweder du bekommst es selber mit oder du stellst irgendwann fest, dass die Landstraße aus deinem Ort heraus gesperrt ist.

Der Newsletter wäre eine perfekte Möglichkeit um direkte Informationen von der Gemeinde gezielt an die Personen in einem Ort zu streuen. Hierbei würde sehr stark das Push-Prinzip angewandt werden können. Die Einwohner können entscheiden, ob sie nur Informationen über ihr eigenes Dorf oder aus der gesamten Gemeinde per E-Mail erhalten möchten. Die Beamten und Angestellten können dann Neuigkeiten an die Bewohner herausgeben. Transparenz ist mittlerweile sehr wichtig und dieses Mittel würde eine weiteren Schritt in die Richtung machen.

Die Leute wollen wissen was um sie herum passiert und ein Gefühl bekommen, dass sie auf dem Weg mitgenommen werden.

Jobs bzw. Ausbildungsangebote

Wenn ich denke, dass ich hier schon alles kenne, stimmt das nur teilweise. Ich bin mir sicher, dass ich nicht sagen könne, welche Unternehmen hier angesiedelt sind und ob ich eventuell meinen nächsten Job dort antreten könnte. Wenn es um den Beruf geht, denke ich direkt immer an das Pendeln in die Stadt. Ist auch kein Wunder. Es gibt keine zentrale Plattform, wo du die regionalen Unternehmen mit ihren Jobs und Ausbildungsangeboten aufgelistet erhältst. Ich denken, dass wir noch ein großes Potential ausschöpfen können uns besser nach außen zu zeigen.

Wahrscheinlich haben wir dadurch schon viele Menschen aus unserer Gemeinde verloren, die einfach nicht wussten, dass sie ihre Ausbildung nebenan hätten starten können.

Veranstaltungen

Es gibt sie zahlreich bei Facebook. Nur findest du dort nicht das Osterfeuer aus deinem Ort. Oftmals denken wir noch zu sehr innerhalb unseres eigenen Dorfes und beziehen selten die Dörfer nebenan mit ein. Das ist auch in Ordnung. Nur wenn ich jemanden hinterher erzählen höre, dass letztes Jahr mehr Leute da gewesen sind, darf ich mich nicht wundern.

Früher haben wir Zettel ausgeteilt oder am Dorfgemeinschaftshaus die Information über das Osterfeuer hingehängt. Heute reicht das nur noch für die ältere Generation und die Leute im eigenen Dorf. Wir können echt gut feiern. Lass uns das auch mal der Umgebung zeigen und daran teilhaben lassen. Wäre doch schön, wenn du sie zumindest bei Facebook postest oder wir für die Veranstaltungen aus der Gemeinde einen zentralen Ort haben. Hierbei könnten wir den Newsletter erneut einsetzen und die Leute über Neues aus der Umgebung informieren.

Marktplatz

Du brauchst für zwei Stunden einen Einachser oder hast etwas aus deiner Garage zu verschenken? Brauchst du aeben einen Trecker um das Sofa ins Wohnzimmer zu bekommen? Wenn du Glück hast, kennst du jemanden in dem Ort. Was machst du, wenn du neu hier bist und nicht so den Anschluss hast, wie jemand der seit Ewigkeiten hier wohnt. Wird schon schwierig. Bei dem Marktplatz kannst du dein Zeug und deine Hilfe anbieten. Vielleicht willst du auch mal deinen Dachboden ausmisten und hast ordentlich Zeug zu verschenken. Wäre doch was, wenn jemand eben mit dem Anhänger aus dem Nachbarort kommt. Ich glaube eBay Kleinanzeigen ist zu global. Ich könnte mir vorstellen, dass sowas gut funktioniert, wenn wir wirklich einen zentralen Ort von Informationen aus deiner Umgebung haben.

Ich habe konkrete Vorstellung welches Ziel ich damit erreichen möchte - Transparenz schaffen und die Vernetzung der Orte miteinander. Wir müssen das Gefühl schaffen, dass die Leute mitgenommen werden und bei den Entscheidungen beteiligt werden. Dabei reicht es schon aus immer transparent über laufenden Dinge zu berichten. Jeder hat zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit seine Meinung zu äußern.

Daher glaube ich stark daran, dass jede Gemeinde eine solche Plattform mit notwendigen Informationen und als Schnittstelle zu jedem Einwohner haben sollte. Wir müssen auf den Dialog zwischen Entscheider und Einwohner setzen, aber auch einiges im Bereich Kommunalmarketing tun. Nur gemeinsam können wir eine Umgebung gestalten, die Leute nicht verlassen möchten sondern mindestens genauso attraktiv finden, wie die Möglichkeiten einer Stadt - nur ländlich.

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