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Der Weg zur LEADER-Region

Im nächsten Jahr beginnt die neue Förderperiode des LEADER-Programms. Die EU-Förderprogramme werden immer für sieben Jahre geplant und beschlossen. Als regionaler Akteur hast du nun die Chance dich als LEADER-Region zu bewerben. Was das bedeutet und wie du vorgehen musst, erkläre ich dir in diesem Artikel.

Was bedeutet eigentlich LEADER?

Es ist ein Maßnahmenprogramm der EU, die Akteure und Aktionen im ländlichen Raum zu fördern. Das Ziel ist es die Regionen so aufzustellen, dass sie sich eigenständig - durch die Menschen vor Ort - entwickeln. Die lokalen Gruppen sollen gemeinsam ein Entwicklungskonzept erarbeiten und in Form des LEADER-Programms umsetzen.

Das Budget und der Themenschwerpunkt, wofür die Förderungen beansprucht werden können, werden aus Brüssel festgelegt. Die Länder können innerhalb des EU-Schwerpunkts noch eigene Schwerpunkte definieren und dadurch den Bedarf an ihr Land anpassen. Es gibt also kein bundesweites Programm, vielmehr hat jedes Bundesland ein eigenes individuelles Programm.

Die neuen LEADER-Regionen werden im Laufe des Jahres 2022 ausgewählt. Das bedeutet die Regionen können ab 2023 starten und somit in ihrer Umgebung diverse Projekte aktiv fördern. Die derzeit bestehenden LEADER-Regionen werden in der Übergangsweise weiterhin finanziell unterstützt und bleiben bis zur Auswahl der Neuen bestehen.

Beispiele, die über LEADER gefördert werden können

  • Mehrgenerationen-Treffpunkte
  • Nahverkehrskonzepte
  • Barrierefreie Infrastruktur
  • Dorfcafé
  • Klimaschutzkonzepte
  • Naturerlebnisrouten

So wirst du LEADER-Region

Um sich für das Programm bewerben zu können benötigst du eine lokale Aktionsgruppe. Sie hat eine Schlüsselrolle im LEADER-Programm. Sie überlegt sich eine Strategie, die sie innerhalb sieben Jahre umsetzen will. Dabei sind viele Akteure, aber auch Ämter und Verwaltungen beteiligt. Doch wie macht man nun den ersten Schritt?

Austausch mit anderen Akteuren suchen

Wenn du gerne am LEADER-Programm teilnehmen möchtest, solltest du im ersten Schritt Gleichgesinnte finden. Daher gehe stark in den Austausch mit Ortsvorständen, Verwaltungsmitgliedern und anderen lokalen Akteuren aus verschiedenen Landkreisen. Du solltest eine Veranstaltung machen, damit du alle Menschen an einen Tisch bekommst. Dort kannst du herausfinden wer sich aktiv einbringen möchte und zum Mitstreiter wird.

Bildung einer lokalen Aktionsgruppe

Wenn ausreichend Akteure gefunden worden sind, bildet ihr gemeinsam die lokale Aktionsgruppe. Über die Hälfte ihrer Mitglieder müssen dabei Wirtschaftsunternehmen, Handwerker, Landwirte, Privatpersonen, Verbände, Interessengruppen und andere Wirtschafts- und Sozialpartner sein. Außerdem kommen noch Vertretungen der beteiligten Gemeinden, Landkreise und Behörden dazu.

Mindestanforderungen einer lokalen Aktionsgruppe (LAG)

  • Tätigkeit in einem Gebiet mit 10.000 bis 150.000 Einwohnern
  • Nachweise erbringen, dass die LAG für die Ausführung der Strategie befähigt wird
  • Definition von Leitungs- und Kontrollregelungen für die Strategie
  • Verwaltungsbehörden müssen einen federführenden Partner in Verwaltungs- und Finanzangelegenheiten zur Seite stellen oder dafür sorgen, dass die LAG in eingesetzten Gremien zusammenkommt
  • Muss aus Vertretern öffentlicher und privater, lokaler und sozioökonomischer Interessen bestehen
  • Muss darlegen wie sie betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Verwaltungskompetenzen erwerben werden, die zur Verwaltung öffentlicher Mittel notwendig sind
  • Rechtsform wie bspw. einen eingetragenen Verein falls vorgeschrieben

Aufgaben der LAG

  • Planung und Ausführung der entwickelten Strategien
  • Befähigung der lokalen Akteure zur Planung und Ausführung von Projekten
  • Erarbeitung eines transparenten Auswahlverfahrens mit objektiven Kriterien
  • Lokale Akteure ermutigen Projektvorschläge einzureichen
  • Überwachung der laufenden Projekte und ausführenden Strategie
  • Überprüfung, Entgegennahme und Bewertung der Projektvorschläge

Interessenbekundung schreiben

Gemeinsam müsst ihr den groben Rahmen eurer Interessen abstecken. Es geht darum was ihr in dem Förderzeitraum bewegen und verändern wollt. Daher ist es sehr wichtig, dass ihr eine gemeinsame Richtung einschlagt. Dies schreibt ihr in Form einer Interessenbekundung nieder und reicht diese rechtzeitig beim Bundesland ein. Die Fristen hierzu setzen die einzelnen Länder fest.

Mögliche Inhalte der Interessenbekundung

  • Vorstellung der möglichen LEADER-Region mit Einwohnerzahlen
  • Gebiete, die sich zusammenschließen
  • Umgebung und Merkmale der Gebiete
  • Vorstellung der lokalen Aktionsgruppe
  • Handlungsfelder / Schwerpunkte

Beispiele für eine Interessenbekundung

Wenn ihr dies abgegeben habt, könnt ihr euch schon regelmäßig zusammensetzen und das Entwicklungskonzept der Region niederschreiben. Es definiert die Gegebenheiten und soll ein Leitfaden für die nächsten sieben Jahre sein, damit die passenden Projekte gefördert werden können.

Regionales Entwicklungskonzept erarbeiten

Es ist eure Bewerbung um LEADER-Region zu werden - ähnlich als würdest du dich für eine Ausbildung bewerben. Es enthält die gemeinsam erarbeiten Ziele von Einwohnern, Ämter, Wirtschafts- und Sozialpartnern. Außerdem bildet es die Grundlage um spätere Projekte umzusetzen, denn mit diesem Instrument kannst du die eingereichten Ideen bewerten und überprüfen.


Wichtig: Du musst das Entwicklungskonzept noch nicht mit der Interessenbekundung einreichen, sondern kannst dies später erledigen.


Um das Konzept zu schreiben kannst du Unterstützung vom Land erhalten. Es gibt für die vorbereitenden Maßnahmen Fördergelder, damit du beispielsweise das Honorar für einen Profi bezahlen kannst. Als Gruppe seid ihr also nicht auf euch allein gestellt.

Grundsätzlich soll das Konzept von regionalen Akteuren aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen erstellt werden. Bei der Entscheidungsfindung und bei der Festlegung der Handlungsschwerpunkte kommt die Einbeziehung der lokalen Verwaltungen und der vor Ort lebenden Menschen eine besondere Bedeutung zu.


Lade die Menschen zur Diskussion ein

Eine gute Idee ist es unterschiedliche Veranstaltungen, in beispielsweise Dorfgemeinschaftshäusern, zu machen und die Bürger für offene Diskussionen einzuladen. Sie können ihre Meinung, Ideen und Vorschläge für die Entwicklung der Region einbringen. Also gehe aktiv auf die Leute zu und gib ihnen diese Möglichkeit. Sollte die rege Teilnahme ausbleiben, geh aktiv auf Schlüsselrollen in der Region ein - diese wären Vereinsvorstände, Verwaltungsmitglieder, Ortsvorsteher usw.


Sobald ihr ein Entwicklungskonzept habt, reicht ihr es bei dem Land ein. Wenn es überzeugt, werdet ihr offiziell als LEADER-Region ernannt und erhaltet über die nächsten Jahre ein gewisses Budget. Damit könnt ihr eure Vorstellungen und Ideen realisieren, aber vor allem die unterstützen, die Projekte realisieren wollen.

Beispiele für ein Konzept:

Nutze das Regionalmanagement als Unterstützung

Das Management bzw. der Regionalmanager unterstützt die Region dabei, sich eigenständig zu entwickeln. Dazu arbeitet er mit der lokalen Aktionsgruppe, den Bürgern und Kollegen aus Tourismus, Umwelt und Sozialbereich zusammen. Er ist der Ansprechpartner für die Akteure und das Sprachrohr der Region. Wenn es noch niemanden in der Kommune gibt, wird meistens jemand nach der Zusage zur LEADER-Region angestellt.

Mögliche Aufgaben des Regionalmanagers

  • Rücksprache mit den Bewilligungsstellen der Förderungen
  • Vermittlung bei Interessenkonflikten
  • Gibt Impulse in die Region und sucht nach Potentialen
  • Hilft bei Antragstellung für Projekte
  • Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
  • Austausch mit anderen Regionalmanagern

Lokaler Akteur will Projekt umsetzen

Nun können alle Menschen, die etwas vor Ort bewegen wollen, von der Förderung profitieren. Wenn jemand beispielsweise einen Bücherschrank organisieren will, kann derjenige einen Antrag stellen um finanzielle Unterstützung aus dem LEADER-Fördertopf zu erhalten - bis zum 65% der benötigten Summe ist möglich.

Es ergibt Sinn ein gewisses Template zu entwickeln, damit alle notwendigen Informationen eingereicht werden und eine Beurteilung der Ideen möglich ist. Dazu müsst ihr lediglich ein Online-Formular erstellen oder gebt den Leuten den Zugang zu einem PDF. Erfahrungsgemäß ist es für viele Menschen einfacher ihre Idee zu beschreiben, wenn sie eine gewisse Struktur erhalten.

So kann es dann ablaufen

  1. Besprechung der Idee mit dem Regionalmanagement
  2. Verständigung mit dem Einzureichenden, ob dies über LEADER gefördert werden kann
  3. Prüfung der Kriterien um offiziell für LEADER zugelassen zu werden
  4. Projektidee in Form eines Kurzsteckbriefes aufschreiben (mögliche Themen sollten behandelt werden: Projektleiter, Ziele, Nutzen und Finanzierung)
  5. Präsentation der Idee vor der lokalen Aktionsgruppe
  6. Gremium entscheidet sich für die Förderung
  7. Offiziellen Förderantrag an zuständige Stelle stellen
  8. Zuständige Stelle prüft den Antrag auf Richtigkeit und Vollständigkeit
  9. Offizielle Bewilligung der Förderung
  10. Mit dem Projekt darf offiziell gestartet werden (Kosten müssen vorfinanziert werden, Förderung wird zum Schluss ausbezahlt)

Fazit

Das Programm der LEADER-Region ist ein sehr aufwändiger und komplexer Fördertopf, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Die Fördermaßnahme hat es wirklich in sich. Daher ist es wichtig Ansprechpartner für die Menschen vor Ort bereitzustellen und ihnen transparent zu vermitteln, wie sie LEADER in Anspruch nehmen können. Vorlagen sind hilfreich um den Leuten die Einreichung einer Idee zu vereinfachen. Du solltest sie an die Hand nehmen und durch den Prozess führen. Ansonsten hält die Komplexität und Undurchsichtigkeit viele davon ab aktiv zu werden.

Doch ich sehe in LEADER vor allem den Hebel, unterschiedliche Menschen aus der Region zusammenzubringen, die gemeinsam etwas verändern wollen. Die Akteure sollen mit ihrer Idee nicht allein gelassen werden. Ich glaube um schnelle Erfolge feiern zu können ist LEADER nicht das richtige Mittel. Es soll die Region langfristig positiv beeinflussen und ist nicht nur ein Pflaster, das man nur solange aufklebt bis die Wunde verheilt ist.

Am Ende geht es um die Bündelung unterschiedlicher Kräfte. Die Umgebung kann sich von innen heraus entwickeln. Schließlich wissen die Leute vor Ort am Besten was benötigt wird.

Die Landleben-Community

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