Ich mag keine Vorsätze. Lieber beschäftige ich mich mit dem Rückblick, was alles in diesem Jahr passiert ist. Ich mag es sich bewusst die Zeit zu nehmen um die 365 Tage zu reflektieren. Das erste volle Jahr in einem anderen Dorf als meiner Heimat. Siebe Folgen des Podcasts veröffentlicht. Angelschein. Neues Fahrrad. Alte Familienrezepte und -geschichten mit Foomi wiederbelebt. Es ist viel passiert und wird auch in 2019 so weitergehen. Mein persönlicher Rückblick und ein Ausblick fürs nächste Jahr.

Ein Jahr Heeren – mein neues Zuhause

Das Ankommen war tatsächlich nicht so einfach. Das ist auch nicht verwunderlich. Ich habe jedoch erkannt, dass ich in der Pflicht bin etwas zu tun. Meine bekannten Gesichter sind alle in Mittelrode. Hier habe ich irgendwie neu angefangen. Ich habe mich dazu entschlossen dies mit DorfstattStadt zu kombinieren und mich mit Menschen zu unterhalten, deren kleine Geschichte ich hier darstellen möchte. Da war beispielsweise Thomas, dessen Erdbeerernte ich über Wochen begleitet habe. Christian. Mit dem ich zurück an seinen Lieblingsort, dem Spielplatz gegangen bin und wir uns über die Kindheit von ihm unterhalten haben. Es war wirklich schön. Ich kann dir auch sagen, dass ich hier angekommen bin und die ersten Wurzeln sich gesetzt haben. Veränderungen sind gut. Es bringt Höhen und Tiefen mit sich. Auf dieser Welle befinde ich mich noch immer.

Pronx – das Magazin für Dorfkinder

Das war ein Projekt der deutschen Journalistenschule in Bayern und dafür schrieb mir Stella vor etwa einem halben Jahr eine Mail. Sie hatte mich zufällig gefunden. Ich würde super mit meiner Geschichte ins Magazin passen. Dafür würde sie mich gerne mal einen Tag begleiten. Ich stimmte zu.

Sie kam an einem Sonntag. Den Abend zuvor war ich etwas zulange unterwegs. Hatte sich so ergeben. Ich freute mich aber auf ihren Besuch und auf den Tag, an dem ich wieder zu Thomas fahre. Dort verfolgte ich seit einigen Wochen den Erdbeeranbau und die -ernte, die ich in Form von Bildern festgehalten habe. Dieses Mal bin ich mit Stella dort, die hinter meiner Schulter stand und genau geschaut hat was ich tue. Wir gingen die Felder entlang und ich erzählte ihr davon, was ich mit Thomas in den letzten Woche gemacht habe – Trecker fahren, kurze Telefonate zum aktuellen Stand etc.

Nachdem wir dort alles im Kasten hatten, kam Jana dazu. Wir sind zur Seseke, einen Fluss unten im Dorf. Nun bin ich derjenige, der Rede und Antwort stehen muss. Ich erzählte ihr die Geschichte zu DorfstattStadt und wie ich Jana kennengelernt habe. Aus diesen Worten hat sie einen Artikel geschrieben, der mir Tränen bereitet hat. Besser hätte man die letzten drei Jahre nicht zusammenfassen können.

Stella. Ich möchte mich nochmal bei dir dafür bedanken, dass du die weite Anreise nur für mich in Kauf genommen hast und diesen wundervollen Artikel geschrieben hast. Der bedeutet mir sehr viel!

https://www.jetzt.de/job/blogger-auf-dem-dorf-dorfstattstadt

DorfstattStadt – der Landleben-Podcast

Zusammen mit Max haben wir den Podcast rund ums Landleben veröffentlicht. Dort lassen wir einmal die Woche die vergangenen sieben Tage Revue passieren und beschäftigen uns mit Themen, die sonst immer auf die Stadt bezogen werden – Digitalisierung, öffentlicher Nahverkehr etc.

Bisher haben wir sechs Folgen veröffentlicht, in denen wir vor allem darauf eingegangen sind was unsere Unterschiede sind. Als kurzer Hintergrund: Max kommt aus einer Kleinstadt und ist dort aufgewachsen. Er ist selbstständiger Finanzberater. Meine Idee war es genau diese Sachen in die Gespräche einfließen zu lassen. Wie unterschiedlich sind wir aufgewachsen und welche Gemeinsamkeiten gibt es dann doch. Außerdem haben wir beide einen beruflichen Werdegang, der es erlaubt mit einer professionellen Ansicht auf Themen wie die Digitalisierung zu schauen.

Es gab auch eine besondere Folge mit meinen Eltern, wo wir übers Elternhaus gesprochen haben. Sie erzählten, wie sie sich zuerst damals ein anderes Haus angesehen haben und sich dann doch letztendlich für das Haus meines Opas entschieden haben. Diese Art von Geschichten möchte ich vermehrt in den Podcast einbringen. Für Abwechslung möchte ich damit sorgen, dass wir immer wieder mit Leuten vom Land über ihre persönlichen Geschichten sprechen. Wie sind sie damals aufgewachsen oder was hat sich zu heute für sie verändert.

In 2019 werden wir weiterhin wöchentlich eine Folge auf Spotify und iTunes veröffentlichen – gespickt mit Gästen die uns ihre Lebensgeschichte oder mehr über ihr Dorf erzählen.

Foomi – Alte Familienrezepte und -geschichten

Mit zwei Freunden haben wir eine neue Plattform ins Leben gerufen, die alte Familienrezepte und -geschichten präsentiert. Wir sind wie eine Familie, in der die Omis uns ihre Schätze weitergeben. Ich fahre zu ihnen, spreche über ihr Leben damals und sammle die handgeschriebenen Kochbücher ein um sie zu digitalisieren.

Bei Foomi gibt es keine kopierten Rezepte, die es überall gibt. Jedes Rezept hat das Original anbei, dass wir von der Omi erhalten haben. Wenn du im Internet nach einem Kartoffelauflauf suchst, findest 500 Stück und musst dir aus allen selber heraussuchen, welcher nun gut ist. Doch jeder kennt es. Das beste Essen gibt es bei Omi und wir haben alle ihre guten Rezepte.

Uns reichen jedoch nicht nur diese Rezepte. Wir wollen die Geschichten hinter den Menschen und sie besonders herausstellen. Schließlich geben sie uns ihre Schätze weiter, die sonst nur ihrer eigenen Familie zustehen. Aus meiner Sicht gesprochen, finde ich es sehr spannend was diese Menschen erlebt haben und wie ihre Meinung über die Veränderungen sind, die sie bisher mitgemacht haben.

Wer mich kennt weiß, dass ich auf Altes stehe. Durch Foomi möchte ich den Omis und Geschichten eine Wertschätzung geben. Es muss nicht immer ständig etwas Neues und die Veränderung sein. Lass uns doch etwas zurückblicken auf das was wir haben.

https://www.foomi.de

Selbstständigkeit – Meine Selbstverwirklichung

Ich habe meinen festen Job beim Landwirtschaftsverlag gekündigt. Es ist eine Zeit der Veränderungen. Nun nehme ich es wirklich selbst in die Hand und entwickle das weiter, was ich mit siebzehn Jahren angefangen habe – die Selbstständigkeit als Interaction Designer und Digitalberater.

Natürlich hatte ich einen festen Rahmen, der schon gut war und mir Sicherheit gebracht hat. Allerdings reicht es mir nicht. Mir ist die Freiheit wichtiger und ich mag es an etwas zu arbeiten, dass ich langfristig aufbauen kann. Das ist schon ein Traum, der länger in mir schlummert. Nur hatte ich immer Angst vor diesem Schritt, der viele Wellen lostreten wird. Wie werde ich auf die Situation reagieren? Werde ich mich einsam fühlen, wenn ich kein festes Team mehr um mir habe? Funktioniert mein Vorhaben überhaupt und was mache ich, wenn nicht?

Du kannst dir vorstellen wie viele Fragen und welche Angst ich habe. Doch es gehört dazu. Es ist eine weitere Erfahrung, die ich für die Zukunft sammeln möchte und werde alles daran setzen, dass es funktioniert. Ich glaube stark daran, dass ich damit etwas tue, was zu mir passen wird. Ich bin eher ein Freigeist mit Ideen, die ich immer umsetzen und so gestalten möchte, wie ich es gerne hätte.

Mit der Digitalberatung möchte ich vor allem im Bereich des Landlebens helfen. Ich denke hier haben wir noch viel vor und da braucht es Leute, die dies vorantreiben. Mit meinem Hintergrundwissen und der Liebe zum Landleben, kann ich beide Felder gut kombinieren. Was müssen wir tun um den Leuten auf dem Land zu helfen und was müssen kleinere Unternehmen tun, damit sie in Zeiten der Digitalisierung nicht anfangen zu zerbrechen?

Zuwachs. Wir sind nun zu Viert.

Hauptsache raus – Angelschein und neues Fahrrad

In diesem Jahr habe ich mit Jana zusammen den Angelschein gemacht. Über knapp zehn Wochen waren wir einmal die Woche bei einem Kurs, wo wir über die Gewässer und Fische vieles gelernt haben. Die Prüfung haben wir beide erfolgreich bestanden. Tatsächlich habe ich mir auch schon die erste Ausrüstung gekauft, muss aber zugeben, dass wir bisher noch nicht am Teich oder Fluss damit gewesen sind..

Wir mögen es aber sehr Neues zu lernen. Imkern steht noch auf dem Plan, jedoch wird dies wohl erst mit Eigentum etwas. Hauptsache draußen. Genau deswegen habe ich mir ein Rad gekauft. Als Kind bin ich mit dem Mountainbike überall hingefahren – über Schotter, Feldweg und durch den Wald. Hauptsache wir kamen bei Wind und Wetter raus.

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Angelprüfung bestanden und ich erzähle mal wie es so war. Vor rund zehn Wochen haben @janaschmiidt und ich uns bei einem Vorbereitungslehrgang angemeldet. Das hatten wir über Google ganz einfach gefunden. Ansonsten einfach mal bei deinen lokalen Angelvereinen nachschauen, ob die sowas anbieten. Danach ging es jeden Dienstag für etwa zwei Stunden zum Vereinsheim um dort auf die Prüfung vorbereitet zu werden. Allerdings reicht das nicht. Man muss sich zuhause zusätzlich hinsetzen und stumpfes auswendig lernen. Du musst rund 49 verschiedene Fischarten lernen, etwa 300 Prüfungsfragen und zehn verschiedene Typen von Angeln. In der Prüfung werden dann sechs Fischarten, 60 Prüfungsfragen und eine Angelrute abgefragt. Die Angelrute muss man den mit den passenden Materialien zusammenlegen (richtige Rolle, Schnur, Köder etc.). Vor der Prüfung war ich einfach unglaublich aufgeregt, aber es hat alles gut geklappt. Doch uns wurde auch immer gesagt, dass wir in dem Kurs nur für die Prüfung lernen und danach erst in der Praxis selbst das Angeln lernen. Im Grunde wie bei Führerschein – fahren lernst du erst hinterher so richtig. Doch jetzt wo das geschafft ist, muss ich mir eine andere Herausforderung suchen🙈😊Wenn du Fragen hast, schreib mir gerne✋🏼 #dorfstattstadt #angeln #dorfkind #angelschein #herausforderung #landleben #fischkunde #teich

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Interessante Menschen, die ich treffen und deren Geschichte ich veröffentlichen durfte

Danke!

Meine Familie wohnt zwar rund 180 Kilometer entfernt, jedoch schaffen wir es dennoch uns gegenseitig in regelmäßigen Abständen zu sehen. Selbst mein Neffe war schon in meinem neuen Zuhause, dem ich auch direkt die Tiere drumherum gezeigt habe. Ich glaub für uns alle war es nicht leicht, doch für mich war der Schritt wichtig. Seitdem habe ich mich verändert und alles was ich nun angestoßen habe, wäre wohl sonst nicht passiert.

Es fühlt sich so ein wenig an wie ein entwurzelter Baum, der noch gestützt wird. Er hat seinen Weg aus der bekannten Erde gefunden, braucht aber noch die Unterstützung um nicht umzufallen und seine Wurzeln neu aufzuschlagen. Zum Glück gibt es Leute drumherum, die diesem Baum helfen und immer da sind. Daher vielen Dank an meine Familie, die Familie von Jana und vor allem Jana. Sie muss sich immer zuerst meine doofen Ideen anhören, die mir gerade im Kopf schwirren. Manchmal muss sie mich auch etwas zurückhalten, wenn ich wieder Mal zu euphorisch auf etwas reagiere oder muss sich meine Sorgen anhören, wenn es mir gerade wieder zu viel wird – was öfters mal passiert, da ich immer zu viel auf einmal anstoße…

Das Jahr 2018 hat vor allem eines in mir hervorgerufen: Mut. Bisschen mehr auf das zu hören was ich wirklich möchte und der Angst nicht zu viel Raum zu geben. Es trotzdem zu tun.Ich freue mich auf 2019, indem sich einfach alles verändern wird. Es stehen schon jetzt Vorträge über die Digitalisierung auf dem Land, ein Radiointerview und der Eintritt in den Gewerbeverein meines Ortes an. Dort möchte ich für den Ort und die Umgebung gestalten. Etwas verbessern und den Menschen helfen. Wenn ich auf die weiteren Jahre zurückblicke, wird sich eines für mich wohl niemals verändern: die ständige Suche nach der Veränderung, statt mit dem zufrieden und glücklich zu sein, was man bisher getan hat.

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