Ich stehe am Fenster und ein gelber Wagen hält vor dem Haus. Kurz danach klingelt es. Ein Mann übergibt mir ein Paket. Amazon steht darauf. Wieder habe ich etwas bestellt und bin dafür nicht in den Laden gegangen. Mit dem Paket gehe ich ins Wohnzimmer. Dort bekomme ich den Satz an den Kopf geworfen, ob ich schon wieder etwas beim Onlineriesen bestellt hätte. Ich sage nichts, setze mich und packe meine Lieferung aus.

Nun frage ich mich wirklich, weshalb ich nicht in den Laden gegangen bin. Vor Ort habe ich nicht so eine große Auswahl. Die Preise kann ich schlechter vergleichen. Ich muss für eine Sache mit dem Auto in den nächsten Ort fahren. Wenn es mir doch nicht gefällt, muss ich wieder dorthin fahren um es zurückzubringen. Irgendwie klingt das alles sehr umständlich. Online geht das einfacher. Wie es wäre, wenn die lokalen Geschäfte auch online mit ihrem Angebot verfügbar wären, kann ich nicht sagen.

Allerdings glaube ich leider nicht daran, dass dies passieren wird. Dort fehlt es sicherlich auch an Berührungspunkten mit dem neuen großen Medium. Was ich ihnen jedoch vorwerfe, ist dem Wandel bewusst zu trotzen und ihn nicht als Chance wahrzunehmen. Die folgende Aussage dieser Leute drückt genau das aus, weshalb ich so denke:

Bestell doch mal weniger bei Amazon oder Zalando. Der Einzelhandel stirbt sonst noch aus.

Eine Aussage, die an sich leicht zu treffen ist und gegen die ich nichts sagen kann. Letztendlich hat der Onlinehandel sich das lokale Geschäft einverleibt, da es bequem ist. Wir tun alles was bequemer ist und denken nicht über die Folgen nach. Schließlich fahren wir auch ständig mit dem Auto an jeden Ort, wo wir gerade hin möchten. Da sagt auch niemand, lass das Auto stehen. Das ist nicht gut für die Umwelt. Oder such wieder die Kutsche mit den Pferden raus.

Mich nervt diese Ansicht. Sie stellt nur besonders heraus, dass sich Leute bewusst gegen den Online-Wahnsinn stellen, statt zu schauen wie kann ich dies mit meinen bisherigen Ideen verknüpfen. Das können wir tun, doch dann liegt es nah, dass die Ladengeschäfte aussterben. Wir werden keine Gesellschaft verändern. Sie verändert uns. Nichts ist schlimmer als wenn die Welt um einen herum sich weiterdreht, aber man der Einzige ist der sich nach wie vor dagegenstemmt.

Wir können keine ganze Gesellschaft ändern. Die Gesellschaft verändert uns.

Ich glaube es ist die Angst, welche die Leute zu solchen Aussagen treibt. Es wird auch gesagt, dass der Einzelhandel wiederbelebt werden muss. Es könne nicht sein, dass die „Innenstädte“ so leer sind. Doch das kann sein. Man muss sich fragen was dazu geführt hat, dass wir uns in dieser Situation sind. Die Masse an Leuten möchte das Angebot in der Form nicht haben, sondern es muss sich anscheinend verändern. Das hat es eben in all den Jahren nicht getan. Der Wandel ist die Beständigkeit in unserer Welt. Wir sehen das auf dem Dorf noch nicht alle so. Wir wollen lieber die alten Zeiten zurück. Ganz ehrlich. Ich wünsche mir das auch oft. Doch als Unternehmen, und das ist jedes Einzelhandelsgeschäft, muss ich schauen, dass ich dort bin wo die Leute heutzutage sind.

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Wenn es ein Geschäft nicht schafft sich online bei Google einzutragen und Öffnungszeiten zu pflegen, dann ist der Inhaber schlichtweg unfähig ein solches Unternehmen zu führen. Die jungen Leute schauen zuerst online um sich einen Eindruck über das Angebot zu verschaffen. Niemand fährt einfach so mal eben zum Getränkemarkt um erst dann festzustellen, dass dieser zu hat. Das machen sie zwei Mal. Wiederholt sich das erneut, geht das Vertrauen verloren. Vergleichbar ist dies, wenn du dich mit einem Freund verabredest. Er kommt unerwartet zu spät. Du bist genervt, aber empfindest es als Ausnahme. Du triffst dich ein zweites Mal mit ihm und es passiert erneut: er kommt zu spät. Jetzt bist du sauer. Nachdem er nun beim nächsten Treffen wieder nicht pünktlich kommt, meldest du dich nicht mehr bei ihm. Du möchtest nicht schon wieder enttäuscht werden und schenkst deine Zeit lieber anderen Freunden.

Genauso läuft es im Einzelhandel. Stehst du vor verschlossenen Türen oder findest nicht die Sachen, die du brauchst, dann bist du weg. Wobei nicht ganz. Du schaust online danach. Nun gibt es hier die zweite Chance sich zu zeigen, doch der Inhaber hat ganz vergessen sich dort zu präsentieren. Früher haben wir uns in Telefonbücher eingetragen, heute ist es die Webseite, die jeder haben muss.

Mittlerweile habe ich mein Paket ausgepackt. Ich freue mich zuerst, merke jedoch schnell, dass ich die falsche Größe bestellt habe. Kurz das Etikett für die Rücksendung ausdrucken. Paket wieder schließen. Etikett aufkleben. Zurück zu Amazon. Richtige Größe bestellen. Alles in fünfzehn Minuten. In der Zeit schaffe ich es nicht mal herauszufinden, wo ich das Produkt in meiner Nähe bekomme. Während das Internet nie schläft, hält der lokale Einzelhandel das ganze Jahr über Winterschlaf.

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