Ich weiß noch als wir vor über zehn Jahren in Erdkunde über die Globalisierung gesprochen haben. Wir befinden uns nun mittendrin und diese Entwicklung zu betrachten, finde ich spannend. Alles wird immer vernetzt. Aus dem Kollektiv entstehen Synergien für jeden Einzelnen. Dieses Thema betrifft allerdings nicht nur Länder sondern können wir auch auf Dörfer und Gemeinden beziehen.

Gehen wir in der Zeit etwas zurück. Veranstaltungen, Handel und Aktivitäten haben sich früher stark auf den eigenen Ort beschränkt. Ich nehme mir an zu sagen, dass sich damals viele Leute aktiv dafür eingesetzt haben. Schließlich gab es kaum Möglichkeiten richtig rauszukommen. Da blieb einem nur über den eigenen Ort so zu gestalten, dass sie sich wohlfühlen. Also waren wirklich immer alle da, wenn etwas stattgefunden hat. Heute ist das ja nicht mehr so ganz sicher.

Fast jede Person hat ein Auto. Dadurch erweitert sich der Kreis in dem wir uns bewegen können. Veranstaltungen zwei Orte weiter sind nicht mehr so fern wie es mal war. Letztendlich bedeutet es nichts anderes als das sich das Leben nicht mehr nur im eigenen Ort abspielt. Wenn ich raus will, fahre ich raus. Das umliegende Angebot und somit auch die Konkurrenz für die eigenen Aktivitäten des Dorfes haben sich vergrößert. Es ist nicht mehr so einfach die Menschen einer Gemeinschaft zusammenzuführen.

Global denken auf dem Dorf – geht das?

Die Globalisierung ist eine Macht, die wir nicht aufhalten können – mit allen Vor- und Nachteilen. Allerdings können wir uns in der Welle mitbewegen und sie dorthin lenken, wie wir es gerne möchten. Die jüngere Generation kann überall sein. Ich glaube, dass sie daher nicht die Motivation entwickeln etwas für den Ort zu tun, wo sie leben. Schließlich kann ich einfach gehen, wenn es mir nicht mehr passt. Vielleicht auch eine grundlegende Einstellung, die sich mittlerweile innerhalb der Gesellschaft verstärkt gebildet hat. Bevor ich etwas aufbaue, reiße ich es lieber ab. Dies ist nur eine Wahrnehmung meinerseits und daher eine aufgestellte These, deren ich mich gerne eines besseren belehren lasse.

Mein Ansatz ist es die Dörfer und somit eine Gemeinde mehr miteinander zu vernetzen. Lass uns die Gemeinde als Welt verstehen. Die Dörfer stehen für Länder mit ihren Grenzen. Jedes Land hat seine eigene Kultur und Gemeinschaft. So soll es bleiben. Doch immer wieder gibt es Impulse von außen. Wir exportieren. Wir importieren. Man versucht voneinander zu profitieren und Freundschaften zu pflegen. Genauso brauchen wir es innerhalb einer Gemeinde. Der Landschaftsbauer aus dem Nachbarort kann mir genauso helfen, wie ich ihm.

Es muss nicht der goldene Sandstrand sein

Wir müssen die Leute nur zusammenbringen, die Lust auf Bewegung und Gestaltung ihrer Heimat haben. Es müssen Veranstaltungen und Angebote geschaffen werden, die wieder für die Leute attraktiv sind. Dabei ist dies nicht mehr auf den eigenen Ort begrenzt, sondern eben „länderübergreifend“. Ich schaue ja gerne mal über den Tellerrand und fahre in andere Länder. Wenn sie nicht attraktiv genug sind, fahre ich dort auch nicht hin. Es muss nicht immer der goldene Sandstrand sein. Manchmal reicht auch nur ein interessanter Berg, den ich erklimmen möchte.

Diese Art eine Gemeinde zu verstehen hat auch Nachteile. Teilweise findet es ja schon in der Form statt. Die Menschen unternehmen weniger im eigenen Ort, sondern fahren weg. Mir haben viele ältere Leute, die noch die alten Zeiten kennen, mal folgendes gesagt:

Vieles zerfließt dadurch sehr. Freunde und Partner bleiben uns oft nur in einem Lebensabschnitt erhalten. Wir unterhalten uns nicht mehr so sehr mit dem Nachbar, da wir lieber Nachbarschaften übers Internet pflegen. Es erscheint alles als sehr unsicher, da wir ständig eine Veränderung mitmachen. Beständigkeit gibt uns Sicherheit. Früher gab es das mehr als es heute ist. Ganz ehrlich. Damit komme ich teilweise auch schlecht zurecht. Daher bin ich froh, dass unser Leben auf dem Land etwas langsamer ist. Manchmal wünschte ich mir noch etwas mehr Beständigkeit.

Ich glaube diese Sehnsucht wird bei vielen Menschen noch größer werden. Nur lass uns schauen, welche Veränderungen uns allen innerhalb der Gemeinde gut tun. Leider bringt es nichts, wenn niemand mehr dort wohnen möchte. Das es meinen Ort irgendwann nicht mehr gibt, würde mich zerreißen.

Das „Sharing Economy“ -Prinzip in der Gemeinde

Die Bedeutung der Begrifflichkeit ist simpel. Letztendlich geht es darum Ressourcen nicht für sich alleine zu beanspruchen, sondern sie vielen Leuten zugänglich zu machen. Nehmen wir uns das Beispiel der Vermietung von E-Autos an. Nicht jeder muss sich selber ein Auto kaufen, sondern die Gemeinde hat welche für alle Dörfer angeschafft. Über eine App kann jeder darauf zugreifen und sich sein E-Auto bestellen, sobald er es benötigt. Durch die Gemeinschaft finanziert sich dieses Angebot.

Für diesen Ansatz müssen wir einen passenden Rahmen schaffen und herausfinden, was viele Leute es aus der Gemeinschaft nutzen würden. Nur wenn es eine Masse an Menschen gibt, rentiert sich das Angebot und somit auch das Konzept alles mit jedem zu teilen. Allerdings nicht so einfach, wenn diese Ansätze eine Gemeinschaft finanzieren sollen, die mit sinkenden Zahlen zu kämpfen hat. Doch es könnte auch wieder dazu führen, dass mehr Leute in die kleinen Orte ziehen. Dann hätten wir einen umgekehrten Effekt.

Weitere Beispiele wären, dass wir Räumlichkeiten nicht für uns alleine beanspruchen sondern vermieten. Eventuell schaffen wir im Ort eine Werkstatt, die jeder nutzen kann. Dazu passende Kurse um den Leuten zu zeigen, was für Möglichkeiten sie damit haben. Vielleicht entwicklen wir auch eine Plattform, wo Leute sich eintragen können, wenn sie heute Nachmittag in die nächste Stadt fahren. Andere können sich eintragen, die auch dorthin müssen. Es ist doch schön, wenn ein Auto für den Fahrtweg eingespart werden kann. Ich denke da gibt es viele weitere Möglichkeiten. Letztendlich geht es auch darum Ideen zu verwirklichen, die im kleinen Kreis nicht finanziell stemmbar sind.

Wenn ich Bürgermeister oder eine gestaltende Position hätte, würde ich den Fokus auf Vernetzung und das Konzept der „Sharing Economy“ legen. Wie schaffen wir einen Rahmen, der die Leute motiviert etwas für die Heimat zu tun. Identitäten zum Ort stärken. Was für Angebote müssen wir ins Leben rufen, die für alle Dörfer einer Gemeinde nutzbar sind. Dafür sollten wir den Leuten vor Ort zuhören und sie immer wieder in die Gestaltung der Heimat einbeziehen. Schließlich geht es nicht um meinen sondern unseren Lebensraum.

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