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Ohne Feuerwehr kein Dorfleben

Ich bin zu Gast auf dem Jakobsberg und besuche Nils Hanewinkel, der schon mit seinen dreißig Jahren Ortsbrandmeister im Dorf ist. Durch einen guten Freund ist er mit siebzehn Jahren der Feuerwehr beigetreten. Wie die Feuerwehr von regionalen Unternehmen unterstützt wird und warum das Ehrenamt so wichtig für den Ort ist, darüber spreche ich mit Nils.

Du bist Quereinsteiger. Wie kam es dazu, dass du zur Feuerwehr gegangen bist?

Ich hatte früher gar nichts mit Feuerwehr am Hut. Ich habe immer mit Freunden Fußball gespielt. Der Vater von einem guten Kumpel war damals der Ortsbrandmeister. Wenn der Vater schon in der Feuerwehr ist, dann steht im Grunde schon fest, dass der Sohn auch später eintritt. So ist mein Kumpel eingetreten und ich folgte ihm in die einzige Löschgruppe hier im Dorf. Mitgehangen – mitgefangen. Wie das so auf dem Dorf nun mal ist. Wenn alle in der Feuerwehr sind und ich selber nicht, fühlt sich das komisch an.

Warum ist die Feuerwehr so wichtig für den Ort?

Sie veranstaltet im Ort den Tag der offenen Tür, den Sankt Martins Umzug, eine Nikolausfeier und stellt jedes Jahr den Maibaum mit reiner Muskelkraft auf. Sollten außerdem andere Vereine Hilfe benötigen, wie beispielsweise beim Umzug das Absperren der Straßen, dann sind wir direkt da. Beim Maibaum aufstellen ist es sogar so, dass wir den Baum noch aus dem Wald holen, selber bemalen und eigenständig – ohne Maschinen – aufstellen.

Der Ort hat rund 260 Einwohner. Tendenz sinkend. Habt ihr überhaupt Einsätze?

Wir haben rund zehn bis zwölf Einsätze im Jahr. Ich bin ganz froh, dass wir nicht so viel zu tun haben und keine schlimmen Sachen dabei sind. Allerdings haben sich trotzdem die Anforderungen für uns geändert. Früher haben wir einmal im Monat Dienst gemacht. Mittlerweile müssen wir zwanzig Dienste im Jahr machen.

Eure Dienste finden auch im Dorf statt?

Wir versuchen den Dienst so realitätsnah wie möglich zu gestalten. In dem Sägewerk von meinem Cousin, der auch in der Feuerwehr ist, können wir öfters üben. Ansonsten fragen wir eben beim Bekannten nach, ob wir mal in seine Scheune dürfen. Vor einiger Zeit hat mein Cousin hier im Ort gebaut und es war einige Tage schlechtes Wetter. Die Bodenplatte war so matschig, dass wir einen Maschinistendienst gemacht haben. Wir konnten unsere Leute schulen und mein Cousin war froh, dass die Platte wieder sauber war.

Nun seit ihr nur mit dem nötigsten ausgestattet. Werdet ihr von den größeren Feuerwehren belächelt?

Bei den Lehrgängen darf man sich schon öfters mal etwas anhören. Die Leute aus den großen Wehren sagen dann schon gerne zu uns, dass da die Trinkstarken mit wenig Arbeit sind. Doch wir sind ganz froh, dass wir nicht so viele Einsätze haben. Allerdings ist es für uns sehr schwer neue Gerätschaften zu erhalten und Dinge zu modernisieren. Verständlich. Schließlich müssen wir nicht so oft raus, wie andere.

Also wenn ihr nichts selber macht, dann passiert auch nichts?

Bei uns passiert viel in Eigenleistung und wir haben das große Glück, dass die regionalen Unternehmen uns sehr unterstützen. Ich arbeite in einem Industriebetrieb für glasarbeitende Technik, da haben wir viele Maschinen. Wenn irgendwas am Auto sein sollte, dann machen wir einfach alles selber. Sonst würde hier auch nichts passieren. Oft läuft es eher so, dass wir uns um alles kümmern und die Stadt zahlt lediglich das Material.

„Kannst du mir mal eben ein Blech schweißen.“ – dann machst du das eben in der Firma.

Es arbeiten also alle unmittelbar im Dorf?

Nein, viele von uns müssen eher mit dem Auto in die umliegenden Dörfer oder die nächste Stadt. Wenn bei uns unter der Woche ein Einsatz ist, dann wird es schnell eng mit dem Personal. Die wenigsten Leute sind schnell verfügbar und daher wurden die Firma aus der Umgebung angeschrieben. Viele davon haben sich zusammengeschlossen und stellen notfalls die Einsatzkräfte von der Arbeit frei.

Sowas ist leider immer schwer planbar und da ist es gut, dass es einen solchen Zusammenschluss gibt. Nun ist es nicht so einfach die Jugendlichen für die Feuerwehr zu begeistern. Wie ist das bei euch?

Mit drei umliegenden Orten haben wir zusammen eine Jugendfeuerwehr gegründet, aber thematisch fehlt da oft der Bezug zur Feuerwehr. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das nicht viel zu früh sei und es ist schwer sie langfristig zu begeistern. Viele von uns sind Quereinsteiger und fangen daher direkt bei den Aktiven (Erwachsenen) mit.

In meinen Augen wurde es jahrelang verschlafen genug Werbung für die Feuerwehr, aber vor allem grundsätzlich Werbung fürs Ehrenamt zu machen. Zum Glück klappt das hier auf dem Dorf noch über die Freunde und Familie, die Leute zu begeistern.

Es gab in einigen Bundesländern die Diskussion, ob in manchen kleinen Ortschaften die Feuerwehren zusammengelegt werden sollten. Was hältst du davon?

Auch bei uns gab es diese Diskussion und es gab von der öffentlichen Seite eine Begehung der Gerätehäuser, damit die Situation besser abgeschätzt werden kann. Doch wir hoffen alle, dass das nicht zustande kommt. Wir wollen dies einfach nicht.

Ich glaube nicht, dass jemand aus dem Ort runter in das andere Dorf fahren würde. Viele von uns sind in der Feuerwehr um etwas für den eigenen Ort zu tun. Die Verbundenheit ist daher sehr groß und das wäre andernfalls einfach nicht mehr da.

Abschließend sag mir doch nochmal kurz was für dich Feuerwehr bedeutet.

Für mich spiegelt die Feuerwehr im Grunde das wieder weswegen ich immernoch in dem Ort lebe, wo ich aufgewachsen bin. Es gibt mir ein Wir-Gefühl und jeder steht für den anderen ein. Das Ehrenamt ist unglaublich wichtig für das Dorf und es gibt mir ein gutes Gefühl etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Ich kann die Worte von Nils nur bestätigen. Bist du nicht in der Feuerwehr, gehörst du irgendwie nicht dazu. Werden die Feuerwehren zusammengelegt, wird es deutlich weniger Leute geben, die sich ehrenamtlich einsetzen. Wenn ich in der Feuerwehr bin, möchte ich etwas fürs eigene Dorf tun und unterstützen. In meinen Augen ist es daher besonders wichtig das Ehrenamt in ländlichen Regionen zu fördern und es attraktiv zu machen. Auf die Stadt kann man sich nicht verlassen, sondern muss es in Eigenleistung tun. Eine ganze Gemeinschaft profitiert davon – sie sind auch einfach schlichtweg darauf angewiesen. Sonst passiert im Ort nichts…

 

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