Heute besuche ich Katja in ihrem Wollladen in Heeren bei Kamen. Es ist Donnerstag und somit findet wieder der Stricktreff statt, wo sich regelmäßig bis zu 15 Frauen treffen um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Als ich zur späteren Stunde in den Laden gekommen bin, kam ich in eine lockere und gemütliche Atmosphäre. Der Laden wurde 2015 von Katja eröffnet. Doch in einem Gespräch erzählt sie mir, dass es den Wollladen auch schon früher gegeben hat. Die Vorbesitzerin hat das Geschäft aufgegeben und hat jemanden für den Laden gesucht. Als sie damals daran vorbeigegangen ist, wollte sie nur einmal reinschauen und mit der Vorbesitzerin sprechen. Nun ist sie seit zwei Jahren selbst Besitzerin, gibt Kurse und organisiert regelmäßig ihren Stricktreff.
Ich bin froh, dass du den Wollladen weiterführst.
Ich setze mich zu den Damen und lasse mir Wolle sowie Stricknadel geben. Jetzt möchte ich das doch auch mal probieren und Katja hat Geduld mit mir. Gar nicht so einfach. Mit der Nadel von oben durch die Schlaufe und festziehen. Mit der anderen Hand alles vernünftig zusammenhalten. Während ich mit der ersten Schlaufe noch kämpfe, haben die anderen schon einen ganzen Schal gestrickt. Nach kurzer Zeit rutscht mir alles von der Hand und ich spreche in die Runde, dass ich es bemerkenswert finde, was sie können. Wir haben es mittlerweile 18 Uhr und die ersten Leute gehen. Nun habe ich Zeit in Ruhe mit Katja zu sprechen.

Wolltest du schon immer so einen Laden führen?

„Ich wollte schon immer selbständig sein, doch wie genau hatte ich noch nicht konkret vor Augen. Ich habe damals erfahren, dass jemand für dieses Geschäft gesucht wird. Außerdem lief die Befristung meines Arbeitsvertrages aus und es passte zeitlich perfekt. Als ich dann in der Nähe war habe ich mit der Vorbesitzerin gesprochen und schnell wurde klar: In meinem Heimatdorf möchte ich dieses Geschäft fortführen.“

War der Start schwer?

„Überhaupt nicht. Das Geschäft war im Dorf schon bekannt und viele haben sich gefreut, dass dieser nicht geschlossen wird. Als einige gehört haben, dass ich die neue Besitzerin bin bekam ich auch viel Zuspruch. Teilweise kommen die Leute aus den umliegenden Orten hierhergefahren. Manche rufen vorher an und fragen, ob ich im Geschäft bin.“

Hast du einen Onlineshop?

„Seit einiger Zeit können die Leute bei mir auch online bestellen. Allerdings gibt es sehr viele die sich online informieren oder sich die Produkte anschauen, aber trotzdem in dem Laden die Wolle abholen. Sie wollen den Stoff lieber nochmal fühlen.“

Was ist mit Facebook, Instagram etc.?

„Ich bin bei Facebook, Instagram und Pinterest mit meinen Geschäft unterwegs. Bisher hat es mir geholfen, dass die Leute auch aus den anderen Orten davon erfahren, dass sie hier ihre Wolle kaufen können. Doch es ist nicht immer leicht ständig kreativ zu sein und jeden Tag Beiträge zu liefern. Zumal ich mich um alles alleine kümmere.  Vor allem zum Jahresende habe ich einfach zu viel zu tun und da bleibt das gerne auf der Strecke.“ Wir stehen auf und gehen etwas in ihrem Geschäft herum

Die Eisdiele nebenan hat Vorteile

Vor mir ist eine Sitzbank. Katja zeigt auf sie und erzählt mir, dass sie diese geschenkt bekommen hat. Eigentlich wollte sie die immer im Sommer nach draußen stellen und einige Produkte darauf präsentieren. Doch als sie gemerkt hat, dass sich die Leute auf den freien Platz setzen und die Bank für Gespräche sorgt, hat sie es so gelassen. Jetzt sitzen dort regelmäßig bei warmen Temperaturen die Leute mit ihrem Eis.
„Ich bin hier nicht alleine. Man hilft sich untereinander.“
Im Schaufenster steht ein kleiner Schlitten, den sie von einer Kundin geschenkt bekommen hat. Daneben ein kleiner Tannenbaum, den sie sich vom Friseur nebenan ausgeliehen hat. Wenn jemand etwas benötigt, wird geholfen. „Sowas hast du nur auf dem Dorf“, sagte sie mit erhobener Stimme. Ich merke, dass sie sich hier sehr wohl fühlt und stolz auf ihren geschaffenen Treffpunkt ist.

Immer Zeit für ein Gespräch

Es wird viel über privates gesprochen. Viele Leute kaufen hier nicht nur mal eben etwas ein, sondern bleiben für ein Gespräch mal etwas länger. „Manchmal kommen die Leute rein, wollen nur eine Kleinigkeit und bleiben eine halbe Stunde im Laden, weil sie mir ihr Herz ausschütten.“ sagt sie und ergänzt noch, dass du sowas nicht in der Stadt hast. Dort haben die Leute eben keine Zeit und wollen schnell weiter. Es kommt regelmäßig vor, dass Katja im Sommer Eis und Cappuccino gespendet bekommt – da nimmt sie sich natürlich immer die Zeit zum Quatschen auf der Bank. Ich habe einen Eindruck von bekommen, dass solche kleinen Geschäfte eben auch Treffpunkte sind. Die Leute nehmen sich die Zeit beim Einkauf und quatschen eben auch nochmal über die Neuigkeiten von nebenan. Doch langsam bekomme ich Hunger und verabschiede mich von Katja… Was hat es mit „Treffpunkt“ zu tun? Damit möchte ich die Orte besuchen, an denen sich die Leute über den Weg laufen oder regelmäßig treffen. Ich mache mir selber einen Eindruck und quatsche mit den Leuten warum für sie dieser Treffpunkt nicht wegzudenken ist.
Kommentare anzeigenClose Comments

Leave a comment