Es gibt für jegliche Bereiche einer Gemeinde bestimmte Tätigkeitsfelder, die von Personen betreut werden. Bauen und Planen, Schulverwaltung, Gewerbeamt etc. aber niemanden der sich um den Bereich der Digitalisierung kümmert. Dieser wird immer nebenbei von vielen Personen getragen, doch niemand kann sich aufgrund der vielen Aufgaben voll dem Thema widmen.

Einzelne Dörfer haben nicht die Möglichkeiten, Budget und die Leute, sich selber in diesem Bereich gut aufstellen zu können. Außerdem wäre es meines Erachtens nicht der richtige Weg, dass jedes Dorf seine eigene Strategie verfolgt. Schließlich sollen die digitalen Kanäle dazu genutzt werden, mehrere Orte miteinander zu vernetzen. Daher muss dieser Schritt aus der Gemeinde heraus kommen und ein ganzes Konzept für die Umgebung muss erstellt werden. Für eine solche umfangreiche Aufgabe brauche es meiner Meinung nach jemanden, der damit Vollzeit beauftragt wird und dieses Thema vorantreibt.

Um die Wichtigkeit diesen Bereiches darzustellen habe ich eine kurze Anekdote aus meinem Alltag. Meine Freundin meinte mal zu mir, nach einer Umstellung auf eine schnellere Leitung:

Als dieser Satz gefallen war, wurde mir plötzlich bewusst, dass niemand mehr darauf verzichten möchte. Früher habe ich dies etwas verurteilt. Stellen wir uns mal vor ich hätte Zuhause für ein Wochenende kein fließendes Wasser. Unvorstellbar und ein Gefühl von, dass das einfach nicht geht. Genauso ist es, wenn wir für die Zeit kein Internet hätten.

Woran liegt es, dass wir mittlerweile darauf nicht mehr verzichten möchten? Wir erledigen unglaublich viele Aufgaben über das Internet, die wir zuvor immer vor Ort machen mussten.

  • Um mir neues Wissen anzueignen oder für die Hausarbeit zu recherchieren, bin ich in die Bibliothek gefahren und habe mir dort Bücher ausgeliehen. Heute ersetzt dies Wikipedia.
  • Überweisungen habe ich bei meiner Hausbank vor Ort gemacht. Zettel ausgefüllt. Unterschrieben und abgegeben. Heute gehe ich in meine App und überweise schnell den Betrag.
  • Hab ich damals einen Ausflug unternehmen wollen, musste ich dazu die Karte lesen und mich regelrecht auf die Fahrt vorbereiten. Nun liegt der Atlas im Müll und ich öffnen Google Maps um mir direkt die Route anzeigen zu lassen.

Das Internet ist ein zentrales Mittel unseres Lebens geworden. Es würde natürlich auch ohne gehen, aber dann müssten wir auch auf einiges verzichten und vieles wäre umständlicher. Ähnlich wäre es, wenn wir kein fließend Wasser hätten, sondern anderweitig schauen müssen, wie wir welches bekommen.

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Zu meinem Hintergrund

Tim Hartmann, der Kopf hinter DorfstattStadt

Ich bin 25 Jahre alt und gelernter Mediengestalter. Seit meinem 16 Lebensjahr treibe ich mich in den digitalen Medien rum, betreute ein Jahr später neben der Schule meine eigenen Kunden und bin nun selbstständiger Webdesigner in Vollzeit. Landleben und die Digitalisierung passen gut zusammen. Der eine Bereich soll dem Anderen nichts wegnehmen sondern ergänzen. Darüber schreibe ich in diesem Blog.

Die Aufgaben eines Digitalbeauftragten

Die beauftragte Person muss als Ansprechpartner für viele verschiedene Gruppen und Personen da sein. Daher ist eine gewisse Präsenz vor Ort enorm wichtig. Vor allem geht es darum so viele Menschen wie möglich zu unterstützen, ihnen Leitfaden an die Hand zu geben und für Rückfragen offen zu sein. Ganz nach dem Motto „einer muss anfangen“, soll dieser möglichst viele Menschen mitziehen und sie auf dem Weg des Wandels begleiten. Möchte sich beispielsweise die Feuerwehr digital etwas besser aufstellen, da es ihnen an jungen Leuten mangelt, so können sie sich an den Digitalbeauftragten wenden. Er wird sie beraten, mit ihnen gemeinsam das Projekt in Angriff nehmen und als Projektleiter ein Ergebnis vorantreiben.

Es sollte dabei aber nicht nur um das gezielte Abarbeiten von Anfragen gehen, sondern auch um die Organisation von Schulungen und Veranstaltungen in den Orten. Einen offenen Austausch fördern, über wichtige digitale Themen berichten und einen Raum schaffen, um über Probleme vor Ort sprechen zu können. Nur so kann der Digitalbeauftragte ganzheitliche Konzepte für die lokale Umgebung erstellen, die später auch für die Einwohner und nicht nur für ihn selber sind.

Seine Aufgaben:

  • Entwicklung eines Konzepts zur Digitalisierung und Vernetzung der Gemeinde
  • Beratung, Schulungen und Veranstaltungen für Dörfer, den Einzelhandel, Vereine etc.
  • Erstellung einer digitalen Vermarktungsstrategie
  • Schnittstelle zu anderen Ämtern innerhalb der Gemeinde
  • Zentraler Ansprechpartner für den Bereich Digitalisierung
  • Steuerung und Koordinierung von externen Dienstleistern

Er braucht eine gewisse Entscheidungsgewalt

Die Welt unterliegt einem stetigen Wandel. Genauso ist es im digitalen Bereich. Ich wage zu sagen, dass dieser dort etwas schneller passiert. Bei digitalen Produkten und Plattformen ist es schwer abzuschätzen, ob und wie sie von den Nutzern angenommen werden. Oftmals bauen wir Dinge, die überhaupt nicht funktioniert und wir müssen einen sogenannten Pivot machen (mit dem Produkt in eine ganz andere Ausrichtung gehen). Es darf mal etwas schief laufen. Es dürfen Entscheidungen getroffen werden, die nicht direkt ganz richtig sind.

Dafür braucht der Digitalbeauftragte jedoch eine Entscheidungsgewalt, die nicht immer anderen unterliegt. Er darf frei entscheiden, Konzepte ausprobieren und in die Gestaltung seines Bereiches gehen – mit Meinungen, Perspektiven und Unterstützung der Anderen. Ohne geht es niemals. Der Dialog zu den anderen ist dabei ganz wichtig.

Der Digitalbeauftragte sitzt auf Höhe der Gemeinde und der Stadt. Schließlich ist er dort stetig im Austausch mit den Personen. Gemeinsam erarbeiten wir ein Konzept, dass die Einwohner vor Ort vernetzen und unterstützen soll. Der Beauftragte soll in diesen Diskussionen und Unterhaltungen das Meinungsbild aus den Orten einfließen lassen. Er ist sozusagen die Schnittstelle zwischen der Politik und den Bürgern. Genau deswegen sind diese Veranstaltungen in den Dörfern wichtig. Dies sorgt für die Förderung von offenen Diskussionen und gibt einen Raum, dass alle Einwohner sich einbringen können.

Ich halte es für nicht zielorientiert, wenn Leute in ihren Büros entscheiden wie andere in ihrer Umgebung leben sollen – ohne mit ihnen zu sprechen und ein offenes Ohr für sie zu haben. Es braucht mehr als nur eine Perspektive um solch wichtige Entscheidungen treffen zu können. Wir müssen miteinander sprechen.

Fragen, auf die er Lösungen finden soll

  • Wie muss sich die Gemeinde online nach außen präsentieren?
  • Was wollen die Einwohner online erledigen?
  • Wie können wir den Einzelhandel und die Dorfmitte wieder beleben?
  • Was müssen wir tun um die Berührungsangst mit den digitalen Medien zu nehmen?
  • Inwieweit und wie müssen wir die Dörfer miteinander vernetzen?

Er braucht ein Budget

Wir brauchen nicht nur Konzepte, die auf dem Papier funktionieren. Entscheidend ist an Lösungen zu arbeiten und diese zu testen. Ohne Budget funktioniert dies nicht, da wir vor allem auf externe Dienstleister zurückgreifen müssen. Innerhalb der Gemeinde gibt es keine ganze Abteilung, die digitale Lösungen baut.

Was muss diese Person mitbringen?

Als Schnittstelle für viele Bereiche und Menschen muss der Beauftragte einige Eigenschaften mitbringen. Unteranderem sollte er gut mit unterschiedlichen Typen zurechtkommen, ein digitales Verständnis haben und der Typ „Macher“ sein. Letztendlich geht es dabei einen neuen Weg zu ebnen. Es gibt kein fertiges Konzept oder einen Leitfaden, den es einfach umzusetzen gilt. Wir müssen Neues schaffen, ausprobieren und die Menschen dafür begeistern können. Wenn wir ein gutes Konzept haben, aber die Einwohner nicht mitgenommen werden, bringt uns die ganze Arbeit nichts. Daher sollte diese Person aktiv auf die Menschen zu gehen, offen sein und eine große Packung Motivation mitbringen. Selten gibt es jemanden, der weiß wie die Kommunalpolitik tickt, eine starke Affinität zu den digitalen Medien hat und auch noch nah am Bürger ist. Eine sehr vielfältige und komplexe Aufgabe, in der sich derjenige in verschiedensten Bereichen einarbeiten muss – ein sehr spannender Weg wartet auf diese neue Position.

Letztendlich brauchen wir nicht nur Konzepte fürs Schulwesen, Abwassertechnik oder wie die Gemeinde bebaut werden soll. Wir brauchen auch einen Leitfaden in der Digitalisierung, sonst verschwinden immer mehr Leute aus unseren geliebten Dörfern und niemand möchte dort mehr gründen, wenn die Infrastruktur nicht ausreichend genug ist. Heute ist die Konkurrenz groß. Die dreihundert Kilometer entfernte und attraktive Stadt klingt nicht mehr nur wie früher sehr anziehend, sondern wenn ich will, dann ziehe ich für das Studium eben mal dorthin. Die Menschen können heute, wenn sie wollen, überall hin – zu jedem Lebensabschnitt. Es hat sich viel verändert.

Die Welle geht es nur nicht mehr nur noch bis zu den Knien, sondern sie hat uns umgehauen. Wir müssen handeln. Sie ist nämlich da, egal ob wir sie wollen oder nicht. Dann lass uns doch lieber schauen, wie wir sie bestens für uns nutzen können und dafür braucht es definitiv einen Digitalbeauftragten auf Höhe der Gemeinde, der sich um die digitale Weiterentwicklung in der ländlichen Region einsetzt.

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