Es ist 6 Uhr am Morgen. Der Wecker klingelt eigentlich erst in anderthalb Stunden, doch die Vorfreude auf den bevorstehenden Besuch bei engelbert strauss in Biebergemünd hat mich nicht länger schlafen lassen. Es ist Anreise. Ein Tag vor dem eigentlich Termin. Doch ich reise nicht alleine, denn eine gute befreundete Fotografin begleitet mich nach Hessen. Doch wie kam es nun zustande, dass ich das Familienunternehmen vor Ort kennenlernen kann und sie mir Einblicke gewähren?

Den Kontakt zu engelbert strauss gesucht

Der Name engelbert strauss ist so ziemlich jedem ein Begriff. Vor allem auf dem Lande ist der deutsche Markenhersteller so bekannt wie der Postbote, mit dem immer wieder gerne einen kleinen Plausch hält. Die Arbeitskleidung wird aus Überzeugung getragen. Viele tragen sie sogar mit Stolz. Es ist eben eine bekannte Marke. Die Kunden sind überzeugt von der Qualität. Das Familienunternehmen hat es eben geschafft gutes Design und Funktionalität in Arbeitskleidung zu kombinieren, sodass die Leute es sogar in der Freizeit tragen – praktisch, robust und sieht gut aus. Sie haben das Erscheinungsbild nach außen deutlich verändert: die Kunden gehen nach der Arbeit direkt – so wie sie sind – kurz um einkaufen. Doch sie gehen noch einen Schritt weiter. engelbert strauss hat sich so stark positioniert, dass es sogar eine riesige Nachfrage an reiner Freizeitkleidung gibt.

Hauptniederlassung engelbert strauss

Für mich ist es ein spannendes Unternehmen und deshalb habe ich mich bemüht sie kennenzulernen. Ich möchte einen Einblick hinter die Kulissen bekommen. Damit ich die Chance nutzen kann um euch all die Einblicke zu zeigen, die man sonst nicht von außen mitbekommt. So habe ich es selbst in die Hand genommen und eine Mail mit folgenden Worten angefangen:

„Liebe Engelbert Strauss,
wir beide führen schon seit langem eine Beziehung. Im Sandkasten hat es schon angefangen und seitdem kann uns nichts mehr trennen. Wir haben uns einfach gefunden. Wir sehen uns mal öfters und mal weniger. Mal sehe ich dich mit jemand anderen, aber ich vertraue dir. Du hast mich noch nie in Stich gelassen. In kritischen Situationen schützt du mich. Dafür hege und pflege ich dich. Wenn wir uns sehen, dann kommt dieses Gefühl in mir hoch… dieses kribbeln… so vertraut… Heimatliebe.

Nun ein liebes Hallo ans Team von…“

Noch am selben Tag habe ich eine positive Rückmeldung erhalten. Am Telefon lernte ich Cilia kennen. Sie ist unteranderem zuständig für die Pressearbeit, Social Media etc. Wir haben konkret über einen Besuch in der Hauptzentrale gesprochen und einige Tage später hatten wir dann ganz konkret einen Termin ausgemacht: 11.08.2016.

Anreise nach Hessen

Biebergemünd ist rund 300km von Springe entfernt und das entspricht einer Autofahrt von über drei Stunden. Daher habe ich mich entschieden einen Tag früher anzureisen. Es ist deutlich entspannter und so können wir die Zeit nutzen um uns die Lage drumherum anzusehen. Daher habe ich für eine Übernachtung zwei Hotelzimmer in Wächtersbach gebucht – nicht mal zehn Minuten von engelbert strauss entfernt.

Anreise nach BiebergemündDie Akkus für die Kameras wurden über Nacht geladen. Die Eindrücke vor Ort sollen in Form von Bilder und Videos festgehalten werden. So bekommst du am Besten einen Eindruck. Nachdem ich meine Tasche gepackt hatte, fuhr ich zur lokalen Zeitung, da ich dort noch ein Gespräch zu einer konkreten Idee hatte. Im Anschluss – etwa halb elf – holte ich Sina, eine gute Freundin, ab und wir fuhren über die Autobahn nach Hessen. Mit zunehmender Entfernung von der Heimat wurde das Wetter besser, doch die Baustellen immer mehr.

Doch das war noch nicht genug. So passierte es, dass eine Ausfahrt komplett gesperrt war und wir später auch noch einmal eine falsche Ausfahrt erwischt haben. Achtzehn Kilometer in die eine Richtung. Achtzehn Kilometer wieder in die andere Richtung. Mit dieser kleinen extra Tour und den Pausen waren wir dann über vier Stunden unterwegs. Viel Zeit, die wir zum Teil mit nostalgischen Songs gut gefüllt haben – für mich war’s zusätzlich wie Kreuzworträtsel lösen. Ich kannte unfassbar viele Songs nicht. Sina dafür umso mehr. Dafür hätten wir sicherlich mit unserem Gesang einen ganzen Konzertsaal füllen können… der gerade im Umbau ist… wo nur die Handwerker sind…

Ankunft. Regen. Hunger.

Als wir im Hotel angekommen sind, war erstmal durchatmen angesagt, denn die Autofahrt war anstrengend. An der Rezeption bekamen wir unsere Schlüssel und wurden zu den Zimmern gebracht. Das schönere Zimmer von uns beiden hatte Sina – das passte also. Dafür bekam sie allerdings kostenlos die Güterzüge nebenan dazu. Erinnerte mich ein wenig an Klassenfahrt. Nur das jeder sein eigenes Badezimmer hatte. Doch wir sind nicht hier um im Hotel zu sitzen, sondern um uns etwas anzuschauen.

Außerdem haben wir riesigen Hunger! Also haben wir jeweils unsere kleinen Taschen mitgenommen, sind raus und zu Fuß durch die Gegend gelaufen um uns ein Restaurant zu suchen. Weiter hinten sah es leicht nach Regen aus. Technik oder Regenschirm? Kamera. Speicherkarte. Kamera. Speicherkarte. Laptop. Das ist uns anscheinend nur durch den Kopf gegangen, weil niemand an den Schirm gedacht hat.

Regnet es bald in Wächtersbach?
Es wird schon nicht regnen…

Kurz bei Edeka gewesen. Die Zeit bis ein Restaurant aufmacht, mussten wir überbrücken. Mit einer Kleinigkeit zu Essen sind wir durch den Ort gelaufen. Es hatte wirklich noch nichts geöffnet. Wächtersbach überrascht seine Besucher allerdings wohl ganz gerne mit einer Überraschung. Nicht das wir nur Hunger hatten. Wir bekamen auch die feinste Regenflut ab. Wir waren klatschnass. Es sah nicht nur leicht nach Regen aus… Es war so viel Regen, dass unsere Klamotten auch hätten frisch aus der Waschmaschine kommen können.

Wie war das doch gleich: das wird schon nicht regnen. Das sieht nur so aus…

„Ich hab nur ein einziges paar Schuhe dabei.“

Wir haben die Beine in die Hand genommen und sind zum Hotel zurückgelaufen. Auf dem Weg sprachen wir uns ab, dass wir mit dem Auto irgendwo zum Essen fahren und wir erstmal unsere Schuhe trocknen müssen. Wir haben jeweils nur ein Paar dabei. Da war ja noch ein Fön im Zimmer…

Im Zimmer angekommen habe ich meine Laufschuhe gesehen. Hmmm. Schnell das Deo nehmen, rein in die Schuhe und anziehen. Muss reichen. Kein Bock jetzt die Schuhe zu trocknen, dachte ich mir. Bis morgen trocknen die bestimmt von ganz allein. Währenddessen hatte Sina ihren Schuhen eine Kur mit dem Fön verpasst und wir waren beide fast abfahrbereit. Blieb nur die Frage, wohin wir zum Essen fahren…

Gelnhausen. Altstadt. Burger.

Der Hunger wurde nicht weniger. Ganz im Gegenteil.  Bei Google Maps haben wir nach Locations geschaut und uns nach etwas hin und her für ein Restaurant in Gelnhausen entschieden. Was durfte dabei natürlich nicht fehlen? Richtig. Die Tasche mit der Technik. Was noch? Natürlich. Der Regenschirm.

Nachdem wir ein Parkhaus gefunden haben, sind wir auf direktem Wege zum Restaurant. Dadurch sind wir in die Altstadt gekommen. Einen kleinen Schlenker durch die Straßen können wir ja machen. Sieht interessant aus. Bilder vor Essen. Waren wir uns beide einig. Trotz Hunger. In dieser Gegend kann gut seine Zeit verbringen, doch so langsam musste es zurückgehen. Für Schnitzel und Burger ging es in die „Alte Post“. Doch ganz so einfach war es nicht, sich etwas von der Karte auszusuchen – „Dürfen wir nicht alles einmal probieren?“

Nach der Stärkung mussten wir auch wirklich los. Das Auto konnten wir nur bis 19.30 Uhr im Parkhaus lassen. Ansonsten hätten wir bei der riesigen Herde an Schafen – die wir später entdeckt haben – schlafen müssen. Kommunikation hätte ich übernommen. Hab da ja noch Erfahrungen aus meiner Kindheit.

GelnhausenKirche in Gelnhausen Gelnhausen Alte Post in GelnhausenTheke der alten Post in Gelnhausen

Meine Freunde. Die Schafe.

Wir waren nun also nicht mehr unter Zeitdruck unterwegs und hatten alle Zeit der Welt. Mit dem Auto waren wir flexibel und sind dadurch – ohne Navi – einfach quer durch die Straßen gefahren. Dadurch sind wir an die ein oder anderen schönen Spots gekommen, an denen wir zum fotografieren halten mussten. Alles in allem fühlte sich die Umgebung wie in der Heimat an – ruhig, schön in der Natur gelegen und alt.

Das kleine Highlight war für mich die riesige Herde Schafe auf der Wiese. Ich bin noch heute dabei sie alle bei Facebook hinzuzufügen. Was haben die alle natürlich gemacht… Gefressen. Zum Glück haben wir zuvor schon etwas gegessen. Ich bin mir sicher wir hätten sonst Fressneid gehabt!

Schafsherde in GelnhausenDas Beste kommt zum Schluss

Wir sind den Berg hinaufgefahren. An der Kreuzung links. Immer geradeaus. Nun wieder links und dann… Wir haben einen Platz gefunden, an dem wir einen schönen Ausblick auf den Ort hatten. Dazu haben wir die Zeit erwischt, an dem die Sonne untergeht. Ein toller Moment  – wir hatten echt Glück!

Wir müssen viel öfters das Unbekannte wagen, statt sich an dem zu halten was wir kennen. Mal über den Tellerrand hinausschauen um Neues zu erleben.

Sina Hirschhausen in GelnhausenAusblick von GelnhausenDSCF0935Sina Hirschhausen in GelnhausenMüde. Der morgige Tag rückt näher.

Der Tag macht sich bemerkbar. Wir sind müde und geschafft. Von der Autofahrt, den Wegen, die wir zu Fuß zurückgelegt haben und von dem Essen im Magen. Also fuhren wir zurück zum Hotel und haben uns noch gemeinsam das Material angeschaut. Speicherkarten leeren. Alles für morgen vorbereiten.

Alles vorbereiten für engelbert strauss

Die Freude und Aufregung stieg zunehmend an. Fast alles ist für morgen vorbereitet. Nur noch die Akkus laden. Meinen und die der Kameras. Am Abend musste ich nochmal Höchstleistung vollbringen, denn bei den wenigen Steckdosen musste ich gutes Management betreiben. Challenge accepted. Mission complete.

Es konnte also ins Bett gehen, denn um sieben Uhr geht es dann los…

Wie habe ich den Inhaber kennengelernt? Warum entwirft eine Grafikerin auch Schuhe? Wie werden die überhaupt getestet? All das kannst du jetzt im nächsten Teil lesen.